10 Tipps für mehr Ruhe vor dem Smartphone

Heike Scholz 24. April 2017

Viele Menschen füh­len sich von ihren digi­ta­len Wegbegleitern gestresst, ja gera­de­zu gegän­gelt und wün­schen sich etwas Ruhe vor dem Smartphone.

Das Gerät piept und blinkt unun­ter­bro­chen, wie mit einem inne­ren Zwang greift man danach und schaut nach. Nicht umsonst kön­nen Studien bereits nach­wei­sen, dass wir über 1.500 Mal pro Woche nach unse­ren Smartphones grei­fen und wir auf der Strasse gefähr­lich leben.

Was also tun, wenn man das Gefühl hat, das wäre alles zu viel? Wenn man doch ein­fach nur Ruhe vor dem Smartphone haben möch­te?

Es ist, wie so vie­les im Leben, eigent­lich ganz ein­fach. Denn unse­re liebs­ten Gadgets brin­gen von Haus aus vie­le Funktionen mit, damit wir von ihnen eben nicht mehr gestört wer­den. Einige möch­te ich vor­stel­len.

Da ich selbst eine Apple‐freie Zone bin, wer­de ich die Funktionen aus der Sicht eines Android‐Nutzers (Gerät ist ein OnePlus One) beschrei­ben. Apples iOS und alle ande­ren Smartphones haben aber sicher­lich sehr ähn­li­che Funktionen.

1. Ortsbezogene Einstellungen

Wenn ich einen bestimm­ten Ort auf­su­che, soll mein Smartphone auto­ma­tisch bestimm­te Einstellungen vor­neh­men. Zum Beispiel soll mein pri­va­tes Gerät an mei­nem Arbeitsplatz stumm geschal­tet sein.

Diese Systemprofile kann man unter eben die­sem Punkt in den Geräteeinstellungen ganz ein­fach kon­fi­gu­rie­ren. Auslöser kann ein WLAN, Bluetooth oder NFC sein. Diese Auslöser kann man dann ein­fach kon­fi­gu­rie­ren, zum Beispiel die Lautstärke oder Systemeinstellungen fest­le­gen wie den Klingel‐ und den Flugmodus, die Bildschirmsperre, die Bildschirmhelligkeit oder die Benachrichtigungs‐LED.

2. Zeitbezogene Einstellungen

Was mit der Location geht, geht natür­lich auch mit der Uhrzeit, zum Beispiel möch­te ich nicht von 22 Uhr abends bis zum nächs­ten Morgen um sie­ben Uhr gestört wer­den.

Hierfür rich­tet man sich ein­fach eine Regel im „Nicht stören”-Modus ein. Zu fin­den unter „Benachrichtigungen > Nicht stö­ren > Automatische Regeln. Hier sind schon ein paar vor­ge­ge­ben, die man ändern kann. Oder man legt sich neue an.

An die­ser Stelle kann man ein­zel­nen Apps auch Sonderrechte geben, um deren Benachrichtigungen viel­leicht ja doch wäh­rend die­ses „Nicht stören”-Modus zu erhal­ten. Auch kön­nen Personen einen VIP‐Status erhal­ten, sie­he dazu Punkt 7.

3. Push Benachrichtigungen abstellen

Viele Apps, die man sich instal­liert, brin­gen gleich einen bun­ten Strauss von Push‐Nachrichten mit. Da mel­det sich die App eines Händlers jedes Mal, wenn man an einer Filiale nur vor­bei kommt. Für den Einen ist das nütz­lich, für ande­re nur ner­vig.

Meist kann man die­se Benachrichtigungen in der App selbst an‐ oder abschal­ten. Man kann aber auch unter Benachrichtigungen > App‐Benachrichtigungen für jede App ver­schie­de­ne Einstellungen fest­le­gen: Alle blo­ckie­ren, als Priorität behan­deln (auch im „Nicht stören”-Modus benach­rich­ti­gen), kur­zes Einblenden, auf dem Bildschirm anzei­gen und dau­er­haf­te Benachrichtigungen auf dem Bildschirm zulas­sen.

Mir war letzt­lich zum Beispiel die LinkedIn‐App doch etwas zu geschwät­zig gewor­den und ich woll­te ihr Mitteilungsbedürfnis ein wenig ein­schrän­ken. Die Einstellungen in der LinkedIn‐App waren eher sub­op­ti­mal für mei­ne Anforderungen, also habe ich sie nun über die App‐Benachrichtigungen ein­ge­schränkt.

4. LED ausschalten

Schon das ver­däch­ti­ge Blinken des Smarphones lässt man­che unru­hig wer­den. Wer hier anfäl­lig ist, möch­te viel­leicht die LED‐Anzeige modi­fi­zie­ren. Unter Display & LEDs > Benachrichtigungs‐LED kann man ver­schie­de­ne Zustände an‐ oder abschal­ten, zum Beispiel ob die LED‐Anzeige im „Nicht stören”-Modus funk­tio­nie­ren soll oder nicht.

5. Flugmodus einschalten

Eine sehr ein­fa­che Möglichkeit, sein Smartphone stumm zu schal­ten ist, den Flugmodus ein­zu­schal­ten. Hierbei wer­den alle Funkeinheiten wie Mobilfunk, Bluetooth, NFC und WLAN abge­schal­tet. Das Smartphone hat also in die­sem Moment kei­ne Verbindung mehr zu sei­ner Aussenwelt, so dass nur noch Benachrichtigungen erfol­gen kön­nen, die im Gerät selbst ange­legt wur­den, wie zum Beispiel der Wecker.

Vielleicht könn­te man ja lang­sam begin­nen und immer, wenn man sein Smartphone an das Ladegerät hängt, den Flugmodus ein­zu­schal­ten. Für eine begrenz­te Zeit herrscht woh­li­ge Ruhe und als Nebeneffekt, lädt das Smartphone auch ein wenig schnel­ler auf, so dass man doch etwas frü­her wie­der online sein kann.

6. Sperrbildschirm als Tabuzone

Der Sperrbildschirm ist der Screen, den man sieht, wenn das Gerät zwar akti­viert, aber noch nicht ent­sperrt ist. So eini­ge Apps möch­ten dort mit ihren Push‐Nachrichten ver­tre­ten sein, sichert die­ser Platz doch die häu­fi­ge­re Nutzung der App.

Wer die eige­ne Nutzung run­ter schrau­ben möch­te, soll­te mit dem Platz auf dem Sperrbildschirm sehr restrik­tiv umge­hen und mög­lichst vie­len Apps des­sen Nutzung unter­sa­gen. Das ist ganz ein­fach für jede App unter Benachrichtigungen > App‐Benachrichtigungen > Auf dem Sperrbildschirm anzei­gen an‐ und abzu­schal­ten.

7. Nur bestimmte Personen zulassen

Viele Menschen befürch­ten, dass sie für ihre Lieben oder doch für den Chef oder einen wich­ti­gen Kunden nicht erreich­bar sind, wenn sie ihr Smartphone auf „Nicht stö­ren” gestellt haben. Dies kann man sehr genau steu­ern und geht als Ausrede, die sons­ti­ge Erreichbarkeit nicht ein­zu­schrän­ken, nicht durch.

Man geht ein­fach unter Benachrichtigungen > Nicht stö­ren > Nur wich­ti­ge Unterbr. zulas­sen > Nachrichten und wählt dann „Von belie­bi­ger Person”, „Nur von Kontakten”, „Nur von mar­kier­ten Kontakten” oder „Keine”. Das Gleiche kann man auch für Anrufe ein­stel­len.

In sei­nen Kontakten soll­te man dann natür­lich die rich­ti­gen Personen auch ent­spre­chend mar­kiert haben.

8. „Nicht stören”-Modus einschalten

Der „Nicht stören”-Modus ist ein wun­der­ba­res Werkzeug, um sich etwas Ruhe zu ver­schaf­fen. Wie man ihn kon­fi­gu­riert habe ich oben bereits in den ver­schie­de­nen Punkten beschrie­ben. Doch wie akti­viert bzw. deak­ti­viert man ihn?

Das geht bei Android über die Schnelleinstellungen. Die Schnelleinstellungen fin­det man, indem man bei sei­nem ent­sperr­ten Gerät auf dem Display nach unten wischt. Hier fin­den sich ver­schie­de­ne Icons, die weiß sind, wenn die Funktion akti­viert ist und grau, wenn sie inak­tiv ist. Den Status kann man durch dar­auf tip­pen ändern.

Das Icon für „Nicht stö­ren” ist ein Kreis mit einem Stich in der Mitte, durch­ge­stri­chen für deak­ti­viert.

Wenn man die­ses Icon nicht in sei­nen Schnelleinstellungen fin­det, ein­fach auf „Bearbeiten” oder den all­seits bekann­ten Stift oder – wie bei mei­nem OnePlus – auf „Kacheln bear­bei­ten” tip­pen und das Icon hin­zu fügen.

Schaltet man den „Nicht stören”-Modus ein, kann man in einem klei­nen Menü noch ein­mal die Einstellungen modi­fi­zie­ren.

Es gibt noch wei­te­re, Geräte‐spezifische Möglichkeiten, den „Nicht stören”-Modus zu akti­vie­ren, auf die ich hier nicht ein­ge­hen möch­te. Hier fin­det Ihr z.B. die Beschreibung für das Nexus von Google.

9. Ausschalten

Radikal und unglaub­lich wirk­sam: Das Gerät schlicht aus­schal­ten. Schont übri­gens auch extrem den Akku.

10. Analoge Verfahren

Das eine sind Einstellungen des Geräts, egal ob auto­ma­ti­siert oder manu­ell. Es gibt aber noch mehr Methoden, hier nur ein paar:

  • Smartphone in ande­rem Raum lie­gen las­sen. Allerdings soll­te es stumm geschal­tet oder aus sein, sonst könn­te es zu häu­fi­gem Hin‐und‐Her‐Laufen kom­men, was aber wie­der­um fit hält.
  • Smartphone‐Hülle ver­wen­den, um die LED nicht mehr zu sehen.
  • Smartphone umge­dreht auf den Tisch legen (LED und Display nicht sicht­bar).
  • Smartphone in der Tasche las­sen, wobei das nur funk­tio­niert, wenn auch Klingeltöne und Vibration aus­ge­schal­tet sind. Andernfalls beginnt sonst häu­fig hek­ti­sches Suchen.
  • Smartphone nicht auf­la­den oder eine Modifikation davon: Ladegerät und Power Bank zu Hause lie­gen las­sen.
  • Es ein­fach igno­rie­ren. Wohl die schwers­te Übung für den wah­ren „Addict”.

Bevor ich die­sen Beitrag geschrie­ben habe, frag­te ich in mei­nem sehr technik‐affinen Netzwerk, wel­che Maßnahmen ande­re nut­zen wür­den. Ich möch­te mich ganz herz­lich bei Nicole Y. Jodeleit, Su Steiger, Richard Joerges, Kathrin Mussmann, Vesna Gudlin und Annika Brinkmann bedan­ken, die tol­le Ideen und Anregungen hier­zu hat­ten.

Wie sorgt Ihr an Euren Smartphones für Ruhe? Welche Funktionen oder Tricks sind Eure Favoriten?

Dieser Artikel erschien zuerst auf mobi­le zeit­geist.