Technologie sticht Mensch – Die Drohne siegt

Lilian Güntsche 24. August 2015

Im Anschluss an einen Kunden‐Workshops hat­te ich das Vergnügen die jähr­li­che Wassershow in der Autostadt in Wolfsburg zu besu­chen. Es han­delt sich hier­bei um ein gro­ßes Spektakel mit Musik, Lichteffekten und den Elementen Wasser und Feuer, die zu ver­schie­de­ner Musik auf beein­dru­cken­de Weise in Szene gesetzt wer­den. Die vie­len Menschen waren begeis­tert. Die Show spiel­te mit wun­der­schö­nen Lichteffekten und das Wasser war mal lieb­lich, mal ver­spielt, mit roma­ni­schen fran­zö­si­schen Chansons, mal ele­gant und wür­de­voll unter­mal mit Klaviermusik, mal hart und futu­ris­tisch, unter­stützt durch Daft Punk oder ande­re här­te­re Musik. 

The Power of Imagination #was­ser­show #wolfs­burg #Autostadt #water #lights

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Die Magie von Wasser bei der Wassershow in der Autostadt. Foto: L.Güntsche

Die Magie von Wasser bei der Wassershow in der Autostadt.
Foto: L.Güntsche

Es war beein­dru­ckend, wie unter­schied­lich das Element Wasser in Erscheinung tre­ten kann, ins­be­son­de­re wenn es im Zusammenspiel mit dem Element Feuer steht. In den vor­de­ren Reihen, war eine ange­neh­me Mischung aus Wassertropfen und Kühle und einer gleich­zei­tig auf­tre­ten­den Wärme zu spü­ren, durch die Flammen des Feuers. Echte Stimmung. Echte Gefühle.

Der gan­ze Himmel leuch­te­te. Aber wenn man genau­er hin­sah, so war es nicht nur wegen der Wasser‐ und Feuer Elemente und der Lichteffekte, son­dern auch durch die vie­len Smartphone‐Screens, die durch die Besucher in die Luft gehal­ten wur­den und am Himmel auf­hell­ten.

Feuershow in der Autostadt durch den Smartphone Screen Foto: L.Güntsche

Feuershow in der Autostadt durch den Smartphone Screen
Foto: L.Güntsche

Das ist also das „neue Normal“, dach­te ich, und erwisch­te mich eben­falls dabei. Man kennt es ja auch schon von Konzerten und sons­ti­gen Veranstaltungen – über­all erleuch­ten die Smartphones in vol­ler Pracht über den Köpfen, man­che ver­län­gern die Sicht durch das digi­ta­le Auge sogar durch einen der etwas lächer­lich wir­ken­den Selfie Sticks. Voller Einsatz und alles dabei. Nur um eine super Live‐Aufnahme für Periscope, den bes­ten Instagram Shot, einen Schnell‐Eindruck für Twitter oder eini­ge Likes bei Facebook zu erha­schen. Oder viel­leicht auch ein­fach, um das Erlebte vir­tu­ell mit den Liebsten zu tei­len, die nicht live dabei sein kön­nen. Wie auch immer. Mit einem Auge sieht man heu­te die rea­le Show, das rea­le Leben. Mit dem ande­ren Auge wird die Szenerie durch das digi­ta­le Bild ver­nom­men, wel­ches das Erlebnis durch den Screen des Smartphones ver­folgt. Die Technologie, sei es ein Smartphone, ein Tablet oder eine Watch, scheint ein Teil jedes per­sön­li­chen Erlebnisses gewor­den zu sein. Schnell mal ein Check‐In bei Swarm, ein Video und ein gemein­sa­mes Selfie bear­bei­ten mit einer der vie­len Foto‐Apps. Realität und Virtualität schei­nen eins gewor­den zu sein. Digitales Auge und wirk­li­ches Auge sind ver­schmol­zen. So ist der heu­ti­ge Split, in der Technologie eins mit dem Menschen gewor­den ist.

Eine rich­tig span­nen­de Beobachtung konn­te ich aber ins­be­son­de­re nach der eigent­li­chen Show machen.

Auf einmal – quasi aus dem Nichts kommend – erschien eine Drohne am Himmel.

Alles wur­den auf­ge­regt und zeig­ten dar­auf. Kurz dar­auf wur­den wir freund­lich auf­ge­for­dert bit­te lang­sam zu gehen oder zumin­dest etwas Abstand zu hal­ten, denn nun wür­de über die Drohne in der Luft eine Video‐Aufnahme gemacht wer­den. „Bitte gehen Sie jetzt. Die Drohne möch­te nun die Show genie­ßen.“ – scherz­te ich. Aber Tatsache, bin­nen weni­ger Minuten war die Autostadt in Wolfsburg fast kom­plett leer – die meis­ten Menschen waren von der Drohne qua­si nach Hause geschickt wor­den. Technologie sticht Mensch. 

Audi hat kürz­lich einen genia­len Spot ver­öf­fent­licht, in dem sie einen Drohnen‐Krieg nach­stel­len, inspi­riert durch Hitchcock’s Film „Die Vögel”. Seht ein­mal selbst.

Wir Technologie‐Liebenden blie­ben an die­sem Abend mit etwas Abstand – so dass die Drohne natür­lich auch gut „sehen” kann – noch einen Moment, um nun erneut die Show, aber natür­lich auch die Drohne im Einsatz zu genie­ßen. Was für ein Bild!

Menschenleerer Platz, eine bom­bas­ti­sche Show – sogar noch bes­ser und län­ger als die offi­zi­el­le zuvor für die mensch­li­chen Besucher. 

In der Mitte des Spektakels ein einziger offizieller Zuschauer auf dem besten Platz:
Eine Drohne.