{"id":2215,"date":"2017-07-28T16:00:53","date_gmt":"2017-07-28T14:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/thedignifiedself.com\/de\/?p=2215"},"modified":"2019-08-11T21:18:43","modified_gmt":"2019-08-11T19:18:43","slug":"gesundheits-apps-zwischen-nuetzlichkeit-und-datenschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thedignifiedself.com\/de\/gesundheits-apps-zwischen-nuetzlichkeit-und-datenschutz\/","title":{"rendered":"Gesundheits-Apps: Zwischen N\u00fctzlichkeit und Datenschutz"},"content":{"rendered":"<p>Schrittz\u00e4hler, Pulsmesser, Di\u00e4t-Apps? Eigentlich alles schon alte H\u00fcte. Das Vermessen des eigenen K\u00f6rpers und der eigenen Gesundheit wird unter dem Begriff &#8222;Quantified Self&#8220; zusammengefasst und erfreut sich schon seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit. Menschen tracken mit technischen Hilfsmitteln ihr t\u00e4gliches Verhalten, um \u00fcber sich mehr zu erfahren, einen ges\u00fcnderen Lebensstil zu f\u00fchren und durch Teilen ihrer Aktivit\u00e4ten auf Social Networks auch anderen zu zeigen, wie aktiv sie sind.<\/p>\n<h2>Deal: Daten f\u00fcr Service<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mobile-zeitgeist.com\/2014\/07\/25\/mhealth-trend-meets-fashion-auf-der-dldwomen2014\/\">Gadgets wie Withings, Bragi<\/a>, Jawbone, Fitbit oder auch die Apple Watch lassen die Nutzer ihre K\u00f6rper und Aktivit\u00e4ten st\u00e4ndig \u00fcberwachen. Dass hierbei die Daten auch den Unternehmen zur Verf\u00fcgung stehen, die meist sehr klar in ihren AGB sagen, dass sie diese weiter verwenden werden, scheint vielen keine Kopfschmerzen zu bereiten. Daten gegen Service funktioniert als Deal auch hier. Nun betreten immer mehr Unternehmen die B\u00fchne der Gesundheits-Apps. Gesetzliche Krankenkassen, private Versicherer und Anbieter im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements treten an, die Gesundheit und Leistungsf\u00e4higkeit der Menschen und damit auch der Arbeitnehmer zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sind\u00a0hier nicht allein altruistische Motive Treiber f\u00fcr die Unternehmen. Es geht ganz klar um Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung. Dies allein ist weder neu noch grunds\u00e4tzlich verwerflich. Ges\u00fcndere Versicherte entlasten unser Gesundheitssystem, ein niedrigerer Krankenstand macht Unternehmen wettbewerbsf\u00e4higer. Doch wie steht es mit dem Datenschutz und der Freiheit des Einzelnen?<\/p>\n<h2>Jeder Dritte zur Weitergabe von Daten bereit<\/h2>\n<p>Schauen wir uns die Haltung der Deutschen an. Wie h\u00e4ufig bei Technik-Themen sind die Deutschen eher\u00a0skeptisch. Der Industrieverband Bitkom hat jedoch in einer aktuellen Befragung von 1.279 Personen \u00fcber 14 Jahren heraus gefunden, dass gut jeder dritte Smartphone-Nutzer (37%) sich vorstellen kann, seine Daten an die eigene Krankenkasse weiter zu leiten. Nutzer \u00fcber 65 Jahre vertrauen ihren Krankenkassen noch mehr. Hier sind es 47 Prozent.<\/p>\n<p>Bereits im Dezember 2014 befragte das Marktforschungsinstitut YouGov rund 1.000 Deutsche und kam zu \u00e4hnlichen Ergebnissen. 32 Prozent der Befragten k\u00f6nnen sich\u00a0grunds\u00e4tzlich vorstellen, gesundheits- und fitnessbezogene Daten zu messen und mit der Krankenversicherung zu teilen, um dadurch Vorteile zu erhalten. F\u00fcr 39 Prozent kommt das allerdings nicht in Frage.\u00a041 Prozent haben mindestens eine Gesundheits-App auf ihrem Smartphone installiert, drei Viertel (75 Prozent) von ihnen nutzen diese sogar. Die haupts\u00e4chlichen Gr\u00fcnde f\u00fcr die selbstst\u00e4ndige Messung von K\u00f6rperfunktionen sehen die Verbraucher darin, einen \u00dcberblick \u00fcber das eigene Verhalten, eine h\u00f6here Verhaltenskontrolle und ein schnelleres Feedback vom eigenen K\u00f6rper zu erhalten.<\/p>\n<h2>Nutzer erwarten Gegenleistung<\/h2>\n<p>Krankenkassen genie\u00dfen in der YouGov-Studie bei den Nutzer von\u00a0Gesundheits-Apps mehr Vertrauen als Sportger\u00e4tehersteller oder Internetunternehmen. Bereits sieben Prozent nutzen Gesundheits-Apps von einer Krankenkasse bzw. eines -versicherers. F\u00fcr die Daten erwarten die Versicherten Gegenleistungen in Form von Beitragsersparnissen oder Gutscheinen f\u00fcr privat\u00e4rztliche Leistungen. Aber auch Gutscheine f\u00fcr Wellness-\/Fitness-Wochenenden oder Punktegutschriften auf Kundenkarten wie z. B. von Payback oder Miles&amp;More sind von Interesse. So stimmt eine Mehrheit (57 Prozent) zu, dass solche Tarife eine gute M\u00f6glichkeit sind um Geld zu sparen.<\/p>\n<p>Der Bitkom fragte etwas genauer. Jeder f\u00fcnfte Befragte (19 Prozent) w\u00fcnscht sich im Gegenzug zu einer Weiterleitung seiner Daten Versicherungsrabatte, 10 Prozent eine Pr\u00e4mie, zum Beispiel in Form von Geld oder eines Gutscheins. 7 Prozent aller befragten Smartphone-Nutzer w\u00fcrden einer Weiterleitung ihrer Daten ganz ohne Gegenleistung zustimmen. Bei den Nutzern ab 65 Jahren sind es sogar 33 Prozent, die keine Gegenleistung erwarten.<\/p>\n<h2>\u00dcber 80% bef\u00fcrchten\u00a0Datenmissbrauch<\/h2>\n<p>Bedenken in Bezug auf weitere Entwicklungen und Datenschutz wurden vom Bitkom offensichtlich nicht detailliert abgefragt. Hier gibt wiederum die YouGov-Befragung etwas mehr Aufschluss:\u00a0Die Mehrheit (73 Prozent) hat Bedenken, dass bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes pl\u00f6tzlich mehr als vorher f\u00fcr die Krankenversicherung bezahlt werden m\u00fcsse. Rund drei Viertel (81 Prozent) bef\u00fcrchten, dass die einmal erfassten Daten auch f\u00fcr andere Zwecke verwendet werden.<\/p>\n<h2>Egozentrische Motive<\/h2>\n<p>Digitale Gesundheitstracker, ganz unabh\u00e4ngig davon, von wem sie zur Verf\u00fcgung gestellt werden, vereinen Eigenschaften, die f\u00fcr die Nutzer h\u00f6chst attraktiv sind, emotionales Potenzial haben oder eben schlicht Spa\u00df machen. Der egozentrische Blick auf die eigene Person wird m\u00f6glich. Wie bin ich, auch im Vergleich zu anderen? Wie reagiert mein K\u00f6rper auf \u00e4ussere Einfl\u00fcsse? Hieraus entsteht ein nahezu unendlicher Strom von Neuigkeiten, die wiederum zur Selbstdarstellung gegen\u00fcber Freunden, Bekannten oder auch v\u00f6llig Unbekannten genutzt werden\u00a0k\u00f6nnen. Das eigene Verhalten wird konkret belohnt und dies nicht nur intern durch die Erkenntnis, die eigene Leistung gesteigert zu haben, sondern auch extern durch Punkte, Highscores, besseren Service oder noch detailliertere Datenauswertung oder eben monet\u00e4re Anreize.<\/p>\n<h2>Wer nicht tracken will muss zahlen<\/h2>\n<p>Es ist das eine, seinem Krankenversicherer seine Gesundheitsdaten anzuvertrauen. Anders sieht es aus, wenn der eigene Arbeitgeber diese Daten erh\u00e4lt. Und auch noch nicht absehbar ist was geschieht, wenn immer mehr Nutzer auf die gro\u00dfen Datenammler Google und Apple setzen, die mit Google Health bzw. dem Apple Healthkit zentrale Stellen f\u00fcr die Daten der Nutzer werden wollen. Die Marktforscher von Gartner gehen davon aus, dass in naher Zukunft\u00a0jeder vierte Fitness-Tracker von Arbeitgebern oder Versicherungen\u00a0kostenfrei an Versicherte und Mitarbeiter abgegeben wird.<\/p>\n<p>Damit w\u00fcrde das Self-Tracking nicht mehr die Ausnahme sein wie noch heute, sondern wom\u00f6glich zur Regel werden. Mit der m\u00f6glichen Konsequenz, dass sich diejenigen, die sich nicht tracken (lassen) entweder in Erkl\u00e4rungsn\u00f6te zum Beispiel gegen\u00fcber dem eigenen Arbeitgeber kommen oder bei ihrer Versicherung nur noch die teureren Tarife abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Dies wiederum w\u00e4re ein massiver Eingriff in die pers\u00f6nliche Freiheit und informationelle Selbstbestimmung jedes Einzelnen.<\/p>\n<h2>German Angst?<\/h2>\n<p>Doch es geht nicht um die Verteufelung der Tracker, der Versicherer, der Internet-Giganten oder den Unternehmen, die mit diesen Technologien Geld verdienen. Es geht vielmehr darum, dass wir als Gesellschaft offen diese Entwicklungen betrachten, beurteilen und diskutieren. Viel Gutes kann mit den granularen Daten, die wir heute sammeln k\u00f6nnen, entstehen.<\/p>\n<p>Diagnosen k\u00f6nnen die Lebensumst\u00e4nde der Menschen ber\u00fccksichtigen, Therapien individuell angepasst werden. Medikamentierungen k\u00f6nnen ganz pers\u00f6nlich auf jeden\u00a0einzelnen Patienten abgestimmt werden und m\u00fcssen nicht mehr auf Basis eines irgendwann einmal ermittelten &#8222;Durchschnittsmenschen&#8220; dosiert und angewendet werden. Der <a href=\"http:\/\/www.mobile-zeitgeist.com\/2015\/01\/14\/infografik-todays-digital-patient\/\">digitale Patient<\/a> k\u00f6nnte dem Arzt auf Augenh\u00f6he begegnen.<\/p>\n<p>Wir stehen am Anfang dieser Entwicklung und niemand kann absehen, wohin die Reise f\u00fchren wird. Doch wie tiefgreifend die technologischen Entwicklungen unsere Gesellschaftsstrukturen beeinflussen, wird immer deutlicher. Als eine von vielen Lekt\u00fcren zu diesem Thema sei &#8222;<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/355008076X\/ref=as_li_qf_sp_asin_il_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=355008076X&amp;linkCode=as2&amp;tag=heikescholzmo-21\">Die granulare Gesellschaft: Wie das Digitale unsere Wirklichkeit aufl\u00f6st<\/a>&#8220; von Christoph Kucklick empfohlen. Auch im ARD-Magazin Panorama gab es einen Bericht zu diesem Thema.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/BSUNerS-2Og\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Dieser Text ist zuerst <a href=\"http:\/\/www.mobile-zeitgeist.com\/2015\/05\/04\/gesundheits-apps-zwischen-nuetzlichkeit-und-datenschutz\/\">auf mobile zeitgeist erschienen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schrittz\u00e4hler, Pulsmesser, Di\u00e4t-Apps? Eigentlich alles schon alte H\u00fcte. 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